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Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE
 

 

Die frohe Weihnachtsbotschaft und das Schweigen der Christen zum Geschehen im Nahen Osten


Arn Strohmeyer
 

Es gibt eine Karikatur, die Weihnachten heute in der Geburtsstadt Jesu darstellt. Die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef stehen auf der Suche nach einer Herberge vor der riesigen, acht Meter hohen israelischen Mauer, die Bethlehem umgibt, und begehren an einem Tor Einlass, der ihnen aber von den wachhabenden Soldaten Israels verweigert wird. Maria wird ihr Kind wohl irgendwo auf einem Feld oder unter einem Olivenbaum zur Welt bringen müssen. Diese Karikatur ist von hoher Symbolkraft, weil die „Mauer“ oder „Mauern“ ganz allgemein– reale oder politische, religiöse, soziale und rassische - trotz aller Globalisierung und Fortschritte bei den Kommunikationstechniken immer noch das Leben auf der Erde weitgehend bestimmen.

Die Mauer bei Bethlehem umgibt ja nicht nur diese Stadt, sondern wird sich, wenn sie fertig gebaut ist, über 700 Kilometer über geraubtes palästinensisches Land hinziehen. Sie sperrt ein ganzes Volk als überflüssig weg, schränkt seine Bewegungsfreiheit auf ein Minimum ein, trennt Dörfer in zwei Teile, reißt Familien auseinander und lässt Bauern nicht zu ihren Feldern und Wasserstellen gelangen. Kinder können nicht zu ihren Schulen kommen, Tagelöhner nicht zu Arbeitsplätzen und Kranke nicht in die Kliniken. Frauen haben deshalb schon ihre Kinder auf der Straße an den Checkpoints vor den Augen der Militärs zur Welt bringen müssen, weil diese sie nicht passieren ließen. Maria würde es heute nicht anders ergehen.

Weihnachten ist in den Kirchen der Welt wieder viel von der frohen Botschaft, von Liebe, Heil, Erlösung und Christus dem Retter die Rede. Aber die Wahrheit ist: Auch nach 2000 Jahren Christentum ist die Welt weiter ein Dschungel – überall die Drohung von Ausbeutung, Unterdrückung, Gewalt, Krieg, Terror, Folter und Angst. Und Mauern – nicht nur die im sogenannten Heiligen Land - sorgen dafür, dass es so bleibt. „Wie ist es möglich, dass weit über zwei Milliarden Christen diese Welt so wenig verändern?“ hatte schon Heinrich Böll gefragt. Auschwitz und das, wofür dieser Begriff steht, hatte er den größten Friedhof des „christlichen Europa“ genannt. Genozide finden heute nicht mehr in eigens dafür erbauten Vernichtungsfabriken statt, aber es gibt sie noch.

Und was sagen die Christen zu dem barbarischen Unrecht, das – obwohl mit dem Holocaust nicht zu vergleichen – heute im „Heiligen Land“ geschieht? Einige wenige wagen sich nach vorn und erheben mutig ihre Stimme zum Protest. Aber die Mehrheit und vor allem das Kirchenestablishment schweigen, wie damals, als sie im „Dritten Reich“ angesichts der Diskriminierung, Verfolgung, und zuletzt der Vernichtung der Juden schwiegen und damit schwere Schuld auf sich luden wie davor schon durch die Jahrhunderte des christlichen Antijudaismus. Die Zionisten haben, obwohl selbst säkular orientiert, den Begriff Israel religiös so mystifiziert, dass in kirchlichen Kreisen immer noch der Glaube existiert, man könne eine direkte Anknüpfung vom Alten Testament zum heutigen Israel herstellen. „Die Juden sind ja das Volk Gottes!“ hört man Christen oft argumentieren. Diese ideologische Basis dient Vertretern der Kirche immer noch als Rechtfertigung, die völkerrechtswidrige Machtpolitik Israels zu unterstützen.

Dabei ist die zionistische Behauptung, dass die Juden aus dem „Heiligen Land“ stammen, dort um 70 n.u.Z. nach einem Aufstand gegen die römischen Besatzer von diesen ins Exil vertrieben worden sind, um ab dem 19. und 20. Jahrhundert wieder dorthin zurückzukehren, längst als Mythos widerlegt worden. Eine Vertreibung konnte bis heute historisch nicht nachgewiesen werden – sie ist auch höchst unwahrscheinlich, weil die Römer nie Völker vertrieben haben, denn sie wollten von diesen unterworfenen Völkern ja ökonomisch profitieren. Zudem: Schon lange vor dem Jahr 70 n.u.Z. hatten Juden weite Teile des Mittelmeerraumes und Vorderasiens besiedelt. Man denke an den Apostel Paulus, der aus der jüdischen Gemeinde in Tarsus in der heutigen Türkei stammte. Außerdem haben die Juden damals missioniert, was sogar zu großen jüdischen Reichen in Nordafrika, im Jemen und an der Wolga und am Don (die Herrschaft der Chasaren) führte. Die Missionierung wurde erst eingestellt, als das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion wurde und Bekehrungen nicht mehr duldete.

Der israelische Historiker Shlomo Sand hat nachgewiesen, dass die meisten osteuropäischen Juden Nachfahren der Chasaren sind. Die Gründergeneration des Staates Israel stammte aber genauso wie das heutige israelische, immer noch ashkenasische Establishment aus dem polnischen und russischen Raum – auf eine Verbindung zum „Heiligen Land“ können sich diese Menschen also kaum berufen. Sand merkt an diesem Punkt an, dass das Thema Chasaren deshalb in Israel ein absolutes Tabu ist. Sand kommentiert die Abneigung, sich wissenschaftlich mit den Chasaren zu beschäftigen, ironisch so: „Niemand möchte die Steine hochheben, unter denen die giftigen Spinnen herumkrabbeln, die dem Selbstbild der ‚Ethnie‘ und seinen territorialen Forderungen schaden könnten.“

Der amerikanische Jude Mark Braverman hat den Christen ins Stammbuch geschrieben, dass ihr Schweigen zur Politik Israels eine Schande sei. Er wirft ihnen in seinem Buch „Verhängnisvolle Scham. Israels Politik und das Schweigen der Christen“ vor, dass sie erneut schwere Schuld durch ihre Weigerung auf sich lüden, die menschenverachtende israelische Politik beim Namen zu nennen und ihr mit Protest entgegenzutreten. Durch diese Weigerung wollten sie sich von ihrer Schuld von damals befreien. Aber das kann nicht funktionieren. Deshalb ermuntert er besonders die deutschen Christen und ihre Amtskirche: Auschwitz ist zwar das Sinnbild für die große Schuld der Deutschen, aber das Symbol dieses Schreckensortes kann keine Begründung für das Schweigen gegenüber Israels Politik sein. „Ihr seid nicht besser oder schlechter als andere“, mahnt er, „es gibt nicht nur eine Schuld, es gibt auch eine Gelegenheit, jetzt richtig zu handeln.“ Mit anderen Worten: Der bedingungslose Kampf für die Menschenrechte und das „Nie wieder!“ muss die Wiedergutmachung für ihre Verachtung sein, der sich die Generation der Großväter und Väter im Nationalsozialismus schuldig gemacht hat.

Aber wer das auf sich nimmt, muss – so schreibt Braverman - in der Sprache der christlichen Symbolik das Kreuz tragen. Und das heiße heute, sich dem Vorwurf des Antisemitismus auszusetzen – ob durch Israel selbst, durch die jüdischen Gemeinden in der Diaspora oder die Freunde dieses Staates. Bravermann hat auch das Bild von der Mauer vor Augen. Als er in Israel und Palästina vor diesem abstoßenden Betonmonstrum stand, habe er wie in einer erleuchtenden Eingebung wahrgenommen, dass er selbst eine Mauer in sich habe. Dieses Erlebnis habe sein Leben verändert. In diesem Zusammenhang erzählt er von dem kleinen palästinensischen Mädchen, das ihn dort gefragt habe, warum die Juden hinter einer Mauer leben müssten.

Obwohl es natürlich umgekehrt ist, hat das Kind Recht: Gerade dieses Trennungsmoment, das Sich-Abkapseln von anderen Völkern und Glaubensrichtungen, nicht erst seit 1945, sondern schon über die Jahrhunderte, die Jahrtausende hindurch, macht Braverman den jüdischen Gemeinschaften zum Vorwurf. Für die Juden des 20. Jahrhunderts seien Religion und Politik durch den Zionismus ineinander verstrickt. Jeden Tag beten gläubige Juden für den Schutz und das Wohlbefinden des Staates Israel. Paranoia und die Wiederkehr des Amalek, des biblischen Feinds, der in jedem Jahrhundert wieder aufersteht, um das jüdische Volk zu vernichten, heiße er Pharao oder Hamam oder Hitler, Nasser oder Arafat, prägen noch das Denken. Gegen das Heraufbeschwören dieses Gespenstes der Paranoia setzt Braverman sich zur Wehr.

Der amerikanische Jude erkennt an, dass die Christen sich nach Jahrhunderten des Antijudaismus und nach dem Holocaust um ein neues Verhältnis zu den Juden bemüht und auch gewonnen hätten, dieses aber nun von ihnen dazu benutzt würde, eine neues großes Unrecht zu rechtfertigen und Widerstand dagegen zu diffamieren: die ethnische Säuberung Palästinas, die systematische Verletzung der Menschenrechte und des Völkerrechts durch den Staat Israel. Es sei der Fehler der Christen gewesen, dass sie den Zionismus übernommen hätten, ihn also mit Judentum gleichsetzten. In ihrer Scham über die Schuld an den Juden gingen sie nun zu viele Schritte zurück, indem sie meinten, dass den Juden dieses Land zustehe. Und er, der Jude aus den USA, sei nun in der merkwürdigen Situation, dass er den christlichen Pastoren in seiner Heimat, in Europa und besonders in Deutschland die universalistische Position Jesu, also seine frohe Botschaft, erklären müsse, die laute: Gerechtigkeit nicht nur für ein Volk, sondern für die ganze Welt!

Aber nicht nur Zionisten bauen Mauern. Zur Illustration des Gesagten sei hier noch eine kleine Episode erzählt – eine völlig unbedeutende Begebenheit angesichts des großen Weltgeschehens und doch typisch für die Haltung der offiziellen Vertreter der christlichen Lehre – in diesem Fall der Protestanten. In Bremen versammelt sich an jedem Samstagvormittag vor den Treppen des Doms für eine Stunde eine Gruppe von zehn bis fünfzehn Leuten (zu der auch der Verfasser dieser Zeilen gehört), die aus allen politischen und weltanschaulichen Lagern kommen, um stumm mit Transparenten und Schrifttafeln die Freiheit und Selbstbestimmung, die Menschen- und bürgerlichen Rechte für die Palästinenser einzufordern. Natürlich geht das nicht ohne Kritik an der Macht, die diesem Volk seine Rechte verweigert. Zu Anfang des Unternehmens hatte die Gruppe die Kühnheit besessen, auf den untersten Stufen der breiten Domtreppe zu stehen. Daraufhin erhielt sie ein in rüdem Ton verfasstes Schreiben der Domleitung, die den Teilnehmern der Demonstration den Aufenthalt auf den Stufen untersagte. Beigefügt war ein Plan, auf dem das zum Kirchenbesitz gehörende Gelände genau eingezeichnet war, das für die Gruppe zur verbotenen Zone erklärt wurde.

Die Kirchenleitung begründete ihren Schritt mit dem Argument: Das Stehen auf den Treppenstufen könnte von der bremischen Öffentlichkeit so gedeutet werden, dass es sich dabei um eine kirchliche Aktion handele. Die evangelische Kirche habe mit dieser Demonstration aber nichts zu tun und distanziere sich ausdrücklich davon. Die elementarsten Menschenrechte für ein besetztes und unterdrücktes Volk einzufordern, das ist nicht die Sache der evangelischen Kirche der Hansestadt Bremen. Damit will sie nichts zu tun haben. In dem Brief der Domleitung wurde sogar der Antisemitismus-Vorwurf erhoben, dem sich die Jüdische Gemeinde natürlich gleich anschloss.

Da ist es wieder das symbolische Bild von der grauen, acht Meter hohen Betonmauer, wo Maria mit ihrem Mann an einem Tor vergeblich um Einlass bittet. Das Mauerdenken ist auch in den Köpfen sehr vieler Christen fest verankert. Die Hüter der christlichen Lehre in Bremen würden Maria wohl auch trotz aller In-Dulci-Jubilo-Posaunenchöre und feierlichen Predigten zum Geburtsfest des „Erlösers“ den Durchlass verweigern...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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